02.02.2026

Der SPD-Kreisverband Waldshut hat gemeinsam mit interessierten Bürger*innen eine Exkursion zur Pyrolyseanlage in Frauenfeld (Schweiz) unternommen. Anlass war die Frage, ob ein vergleichbares
Anlagenkonzept perspektivisch auch für den Landkreis Waldshut in Betracht kommen könnte. Vor Ort erläuterten der Geschäftsführer der Bioenergie Frauenfeld, Sebastian Sauerbeck, sowie der
Projektierer Marcel Huber, Geschäftsführer der Firma Syncraft aus Schwaz (Österreich), die Funktionsweise, den Betrieb und die Klimawirkung der Anlage. Dabei unterstrichen sie die Bedeutung
stabiler politischer Rahmenbedingungen.
Die Pyrolyseanlage ist ein gemeinsames Projekt von Energie 360° und der Schweizer Zucker. Sie verarbeitet jährlich rund 25.000 Tonnen regionales Restholz zu Strom und Wärme und erzeugt zugleich
Biokohle, in der ein erheblicher Teil des im Holz enthaltenen Kohlenstoffs langfristig gebunden bleibt. Anders als bei der klassischen Verbrennung wird das Holz unter Sauerstoffabschluss
behandelt, sodass es nicht zu Asche verbrennt, sondern Pyrolysegas und Biokohle entstehen. Die Anlage versteht sich damit nicht nur als Kraftwerk, sondern als Bioraffinerie, die Energieerzeugung
mithilfe des gewonnen Gases und dauerhafte CO2-Speicherung in Form der Kohle miteinander verbindet.
Der SPD-Kreisvorsitzende Peter Schallmayer zog nach dem Rundgang ein positives Fazit. „Der Besuch in Frauenfeld hat gezeigt, dass Pyrolyse weit mehr sein kann als eine weitere Form der
Energiegewinnung“, erklärte Schallmayer. „Hier wird regionaler Reststoff genutzt, grundlastfähige Energie erzeugt und gleichzeitig CO2 dauerhaft gebunden. Das ist ein Ansatz, den wir für den
Landkreis Waldshut ernsthaft prüfen sollten.“ Entscheidend sei aus seiner Sicht, dass es sich nicht um eine Konkurrenz zur stofflichen Holznutzung handele, sondern um eine sinnvolle Verwertung
von Rest- und Landschaftspflegeholz.
An der Exkursion nahm auch die Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter, teil. Sie betonte die Bedeutung solcher
Technologien für den Klimaschutz: „Wir werden die Klimaziele nur erreichen, wenn wir neben der Emissionsvermeidung auch Wege finden, CO2 dauerhaft aus der Atmosphäre zu ziehen. Pyrolyseanlagen
können dazu einen Beitrag leisten, vorausgesetzt, sie werden ökologisch sauber betrieben, mit klaren Nachhaltigkeitskriterien für den Wald und transparenten Standards bei der
CO2-Bilanzierung.“
Der SPD-Kreisverband Waldshut will die Erkenntnisse aus Frauenfeld nun für die weitere politische Diskussion im Landkreis nutzen. „Bevor wir über konkrete Standorte oder Investitionen sprechen,
brauchen wir belastbare Daten“, so Schallmayer weiter. „Dazu gehören Fragen zum langfristig verfügbaren Restholz, zur sinnvollen Nutzung der entstehenden Wärme und zur Wirtschaftlichkeit unter
deutschen Rahmenbedingungen.“ Auf dieser Grundlage soll geprüft werden, ob eine professionelle Machbarkeitsstudie der nächste sinnvolle Schritt sein könne. Grundsätzliches Ziel sei, einen
möglichen Beitrag zur regionalen Energieversorgung, zur Stärkung der heimischen Wertschöpfung und zum aktiven Klimaschutz im Landkreis Waldshut zu leisten.